Buddhismus & Business Blog

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Wer war Buddha?

Wer war Buddha? Gott oder Mensch? Auszug aus “Buddhismus und Business”

Das tibetische Wort »Sangye« für Buddha bedeutet direkt übersetzt »Der Erwachte«. »Sang« bedeutet »vollkommen gereinigt« von allen die Klarheit des Geistes verdunkelnden Schleiern. »Gye« bedeutet »vollkommene Entfaltung« aller Qualitäten, die dem Geist innewohnen. Dazu gehören Furchtlosigkeit, unendliche Freude, grenzenloses Mitgefühl, Weisheit und Tatkraft zum Besten der Wesen. Der Name »Buddha« in Sanskrit bezeichnet den erleuchteten Geisteszustand.

Buddhaformen oder Buddhaaspekte – tibetisch »Yidam« – sind Formen aus Licht und Energie, durch die unendliche Eigenschaften des erleuchteten Geistes ausgedrückt werden. Indem man sich mit ihnen in der Meditation und im täglichen Leben identifiziert erwecken sie die jedem innewohnende Buddhanatur. Das ist die Natur des Geistes, das Potenzial der Erleuchtung, das allen Wesen innewohnt. Um auf solche Buddhaformen wie den Buddha des Grenzenlosen Lichtes Amitabha meditieren zu können, benötigt man die Übertragung von einem Lama.

Die fantastisch gearbeiteten goldenen Statuen und die farbenfrohen tibetischen Rollbilder mit vielen unterschiedlichen Buddhas darauf sind nicht etwa Abbildungen von Göttern. Sie sind auch nicht dazu da, angebetet zu werden.

Der Buddha unserer Zeit ist der historische Buddha Shakyamuni, der vierte von insgesamt 1000 Buddhas, die erscheinen werden. Jeder historische Buddha leitet eine neue Dharma-Periode ein – eine neue Zeit, in der die buddhistische Lehre auf unterschiedliche Weise und von unterschiedlich vielen Menschen genutzt werden kann.
Buddhas werden in unterschiedlichen Farben, Positionen und mit unterschiedlichen Attributen oder Gegenständen in den Händen dargestellt. Sie alle haben eine bestimmt Bedeutung und spiegeln dem Betrachter unterschiedliche, an sich vollkommene Aspekte seines eigenen Geistes. Der eben erwähnte Buddha des Grenzenlosen Lichtes (tib.: Öpame, skt. Amitabha), der Buddha der unterscheidenden Weisheit, ist zum Beispiel leuchtend rot wie ein Berg funkelnder Rubine im Licht von tausend Sonnen und sitzt, mit den Händen im Schoß ruhend. Sie halten eine Schale mit dem Nektar der höchsten Erfüllung. Sein Bewusstseinsfeld ist das schon erwähnte »Reine Land« Dewachen, dass man aufgrund von Amitabhas Versprechens an die Wesen, sie alle in dieses Kraftfeld aufzunehmen, wenn sie es wollen, mit starken Wünschen erreichen kann.

Es gibt im Buddhismus einfach nicht diesen erhobenen moralischen Zeigefinger, wenn man Fehler gemacht hat. Wir tun alle Dinge, die wir leicht »Fehler« nennen, solange wir nicht erleuchtet sind. Und sicherlich ist es auch empfehlenswert zu vermeiden, anderen Leid zuzufügen, in welcher Form auch immer. Keine Frage. Aber passieren tun diese Dinge eben doch. Mein Lehrer, Lama Ole, hat da aber eine deutlich langfristigere und höhere Sicht der Dinge: »Wir machen keine Fehler, sondern Erfahrungen, aus denen wir lernen können.« Aus buddhistischer Sicht gibt es nicht eine einzige Charaktereigenschaft, nicht eine einzige negative Tendenz, die man in sich hat, die nicht für die Erleuchtung genutzt werden könnte. Denn unterschiedliche Störgefühle werden in unterschiedliche Weisheiten umgewandelt – sie sind sozusagen der Rohstoff, mit dem man erleuchtet wird. Wenn man die Gründe ihres Entstehens versteht und entsprechend mit ihnen arbeitet. Deswegen gibt es auch niemanden, der nicht die Möglichkeit hätte durch die Phowa-Meditation und den starken Wunsch, in dieses Kraftfeld des roten Buddha Amitabha zu gehen, dort hinzugelangen. Auf ihn meditiert man also, wenn man die Meditationspraxis des Bewussten Sterbens lernt.

Der vielleicht bekannteste Buddha heißt »Liebevolle Augen« (tib.: Chenresig, skt.: Avalokiteshvara). Er ist der Buddha des Mitgefühls und der nicht unterscheidenden Liebe. Er wird im Freudenzustand dargestellt, weiß und mit vier Armen. Die rechte äußere Hand hält eine Mala aus Kristall, eine Meditationskette, die alle Wesen aus der bedingten Welt befreit. Die beiden mittleren Hände umschließen das Juwel der Erleuchtung vor seinem Herzen. Die linke äußere Hand hält eine Lotusblüte, die seine vollkommen reine Einstellung symbolisiert. Seine Augen sehen jedes Wesen.

Zu jedem Buddha gehört auch mindestens ein Mantra, der Ausdruck einer erleuchteten Eigenschaft auf Schwingungsebene. Ein Mantra aktiviert das Kraftfeld eines Buddhas, sobald man es ausspricht oder auch nur denkt. Das Mantra von »Liebevolle Augen« oder »Chenresig« »OM MANI PEME HUNG« findet sich in Tibet fast auf jedem zweiten Stein. Es weht auf den bunten Mantrafähnchen im Wind und wird auf den allgegenwärtigen Gebetsmühlen von jedem Vorbeigehenden gedreht um den Wesen Glück zu wünschen.
Viele Leute verwenden dieses Mantra einfach, weil es sich gut anfühlt und verhindert, dass die eigenen Störgefühle einen zu unüberlegtem und dummem Verhalten in brenzligen Situationen verleiten. Das ununterbrochende Rezitieren eines Mantras – am besten gesprochen, aber nur gedacht geht auch – schützt zum Beispiel vor Zorn- oder Eifersuchtsattacken. Es funktioniert wirklich! Mein Lama vergleicht ein Mantra oft mit einer Teflonbeschichtung oder einem Ölfilm, der vor Wasser und Schmutz schützt – es perlt einfach daran ab und hat keine Chance Fuß zu fassen. Das kann jeder für sich ausprobieren, Buddhist braucht man dafür gar nicht zu sein. Man sagt es einfach so oft wie man möchte oder bis die brenzlige Situation vorbei ist, vor sich hin – oder denkt es einfach nur in Situationen, in denen es sonst für Andere vielleicht komisch aussehen würde. Es ist gut, Mantras mit der Motivation zu sagen, anderen Wesen durch ihre Schwingung zu nutzen – nicht nur sich selbst.

Den Sinn des jeweiligen Mantras zu kennen, verstärkt noch die positive Wirkung auf Körper, Rede und Geist. Am Beispiel des Mantras »OM MANI PEME HUNG«: die Schwingung der Silbe OM entfernt Stolz, MA Eifersucht, NI entfernt Anhaftung, PE durchschneidet Unwissenheit, ME löst Geiz auf, und das HUNG, das gesprochen den Brustkorb schwingen lässt, formt Zorn um. Es gibt auch anders geschriebene Versionen des Mantras »OM MANI PADME HUM«. Wichtig ist aber die Art, wie das Mantra ausgesprochen wird – nicht die Schreibweise. Dadurch, dass diese Mantras seit Jahrhunderten gebraucht werden, tragen sie großen Segen. Effekt und Wirksamkeit der Varianten des Mantras sind aber gleich.

Der im Buddhismus sehr wichtige Begriff »Mitgefühl«, für den der Buddha »Liebevolle Augen« steht, wird oft mit »Mitleid« verwechselt. Es gibt aber einen riesigen Unterschied. Wenn man mit jemandem Mitleid hat, dann tut er einem eben einfach nur leid. »Ach, Du armes Hascherl«. Man fühlt mit dem oder der Leidenden und leidet ein bisschen mit – in der besten Absicht. Besser macht es das für den Leidenden aber meist nur sehr begrenzt und kurzfristig. Und es macht den Betroffenen dazu auch noch unselbstständig statt stark, damit er wieder auf die eigenen Beine kommen kann. Man traut ihm so nicht wirklich zu, sich selbständig wieder aus der Situation herauszukämpfen und baut ihn oder sie nicht gerade aktiv wieder auf. Mitgefühl hilft da mehr.

Wenn man mit jemandem Mitgefühl statt Mitleid hat, dann sieht man in erster Linie dessen Potential, wieder aufzustehen und weiterzugehen und versucht, ihm dieses Potential aufzuzeigen. Man sieht, dass er sich selbst in eine schwierige Lage gebracht hat, aber auch, dass er trotzdem die ihm innewohnenden Möglichkeiten hat, wieder aus dieser Lage herauszukommen. Man handelt aus dem Wissen heraus, dass er – genau wie alle anderen Wesen – aus buddhistischer Sicht sogar das Potential hat, erleuchtet zu werden. Deswegen hilft man ihm mit aktivem Mitgefühl und Tatkraft, wieder auf die eigenen Beine zu kommen und selbstständiger und stärker aus der problematischen Situation herauszukommen.

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