Buddhismus & Business Blog

TIgersnest Bhutan Buddhismus

Reise nach Bhutan

Auszug aus “Buddhismus und Business”

TIgersnest Bhutan BuddhismusBhutan ist ein Traum. Leider auch einer, der vielleicht schon bald der Vergangenheit angehören wird. Nach Jahrhunderten der Abschottung von der modernen Zivilisation mit all ihren Ablenkungen öffnete sich das kleine unabhängige Königreich, eingepfercht zwischen den Giganten China und Indien, erst in den letzten Jahrzehnten dem Westen und der sogenannten Zivilisation. 1999 wurde das Fernsehen und Internet eingeführt. Wuchsen die Eltern noch in einem von Landwirtschaft und Buddhismus geprägten Alltag auf, zieht es die Jugend heute in die Städte oder ins Ausland – in die glitzernde fremde Welt, die sie in Internet und TV gesehen haben. Nicht von ungefähr ist die königliche Familie von Bhutan, die sehr engen Kontakt zum 16. und heute zum 17. Karmapa Trinley Thaye Dorje unterhält, sehr darauf bedacht, die wunderschöne Himalaya Landschaft mit ihren riesigen Wäldern und Bergen und die buddhistisch geprägte Kultur des Landes bestmöglich vor der fortschreitenden Modernisierung und Industrialisierung zu schützen. Doch es wird kreative Ansätze brauchen, um die verführerische neue Welt mit all ihren vergänglichen Reizen erfolgreich mit einem Erhalt des tief in Bhutan verwurzelten Mahayana Buddhismus zu verbinden. Die Königsfamilie setzt Impulse in die richtige Richtung: bereits mehrfach hat sie Lama Ole eingeladen, in Bhutans Hauptstadt Timphu Vorträge über Buddhismus, wie wir ihn im Westen praktizieren, zu geben – unter anderem vor hohen Regierungs- und Oppositionsverträgen oder Schulklassen. In diesen Vorträgen wird deutlich, was die große Herausforderung ist.  Praktizierender Buddhist in Bhutan zu sein ist vielleicht vergleichbar mit der Art, wie der Durchschnitt der westeuropäischen Christen ihre Religion ausüben: man geht am Wochenende ins Kloster oder in die Kirche, bittet den Lama oder Pfarrer um gute Wünsche und Segen, und im Alltag wendet man bestmöglich die richtige Sichtweise an und verhält sich dementsprechend. Regelmäßig meditieren tun in Bhutan in erster Linie die Mönche – der durchschnittliche Bhutanese hat vielleicht noch seine Mala, seine Mantrakette, in der Hand und nutzt das Mantra »Om Mani Peme Hung« des Bodhisattva »Liebevolle Augen«, dem vereinten Mitgefühl aller Buddhas.

In Bhutan habe ich endlich verstanden, warum mein westlicher Lama von Laien-Buddhismus und von seinen Schülern als Yogis spricht. Tatsächlich ist es ein riesiges Geschenk, das der 16. Karmapa über ihn und seine Frau in den Westen gebracht hat: wir leben unsere modernen Leben, aber unsere Praxis beschränkt sich nicht auf das Anwenden der richtigen Sichtweise, sondern wir setzen und tatsächlich so oft wie möglich hin, um zu meditieren und können so selbst leicht tiefe meditative Erfahrungen machen. Diese Art von Buddhismus könnte auch einer sein, der für die neuen Generationen in Bhutan funktionieren könnte. Er schließt nichts aus und bleibt weg von Extremen. Es ist diesem Land sehr zu wünschen, dass es einen Weg findet, seine wertvolle Tradition mit der Moderne zu verbinden.
Die Lamas und Mönche in den Klöstern Bhutans beeindruckt es offenbar sehr, dass wir die Disziplin und Hingabe aufbringen, unsere eigene Meditationspraxis regelmäßig auszuführen. Dass unsere Reisegruppe einen der wunderschönen Altarräume der berühmten Tsongs in Bhutan betrat und sich alle traditionsgemäß erst dreimal in Richtung des Throns des Lamas und dann dreimal in Richtung des Altars verbeugten, öffnete uns viele Türen, die den meisten westlichen Touristen verschlossen bleiben. Es schien für sie das Zeichen zu sein, dass wir ernsthaft praktizierende Buddhisten sind, denen man vertrauen und die heiligsten Räume öffnen konnte.
Ein wunderbares Erlebnis hatte ich mit zwei Freunden beim Besuch des weltberühmten Tigernestes, »Taktsang« – der wichtigsten Stelle, von der Guru Rinpoche den Buddhismus in Bhutan schützte und verbreitete. Wir hatten eine Stunde vor dem Hauptteil der Reisegruppe mit dem Lama und unserem bhutanesischen Tourguide den steilen zweistündigen Aufstieg zum Tigernest absolviert. Wie die anderen großen Heiligtümer Bhutans ist auch das Taktsang von der Polizei bewacht und man darf es nur mit vorher registrierten Reiseführern als Gruppe besuchen. Und so brauchten wir zehn Minuten, bis uns endlich gestattet wurde, mit einem anderen Tourguide und einer Dame, die er herumführen sollte, hinein zu gehen.

Es gibt zwei Meditationshöhlen mit Schreinen im Taktsang, in denen Guru Rinpoche meditierte. Als wir in die zweite der Höhlen geführt wurden, uns verbeugten und sofort hinsetzten, um an diesem Ort zumindest ein paar Minuten innezuhalten, wurden wir von einem Lama, der gerade einen jungen Mönch unterrichtete, beobachtet und gefragt, woher wie kämen. Ich erzählte ihm, dass mein Lama 72 Jahre alt und gerade mit seinen Schülern auf dem Weg hinauf sei und erwähnte, dass er und seine Frau Schüler des 16. Karmapa und von Lopön Tsechu Rinpoche gewesen seien und viele buddhistische Zentren im Westen gegründet haben. Als er das hörte und ich ihm ein Bild von Lopön Tsechu Rinpoche zeigte, der nicht nur ein hoch angesehener Lama aus Bhutan war, sondern auch der Onkel der vier Königsmütter, leuchteten seine Augen auf und er lächelte. Zu unserem schon nervös auf der Stelle trippelnden Tourguide sagte er, wir drei sollten bei ihm hier in der Höhle bleiben und meditieren dürfen, bis unsere Lama ankäme. Der Tourguide wandte ein, dass die Polizei das auf gar keinen Fall erlauben und er Ärger bekommen würde, da er versprochen hatte, uns innerhalb von 20 Minuten wieder zurück zum Ausgang zu bringen. Doch der Lama bat ihn, der Polizei Grüße und Dank von ihm auszurichten – und dass er darauf bestand, dass wir bleiben und meditieren können, bis unser Lehrer mit der Tourgruppe in der Höhle ankam und wir gemeinsam das Bodhisattva-Versprechen und viele gute Wünsche machten. Es waren sehr ergreifende Momente, die mir Tränen der Dankbarkeit in die Augen trieben…