Buddhismus & Business Blog

Karma

Karma. Oft gehört, wenig verstanden!

Karma

Auszug aus Buddhismus und Business:

Gleich nach »Erleuchtung« ist der buddhistische Begriff, mit dem die meisten Menschen etwas anfangen können, das Wort »Karma«. Was das aber genau bedeutet, wissen dann vielleicht doch nicht alle.
Es bedeutet »Ursache und Wirkung«– nicht etwa Schicksal! Schicksal ist etwas, das unabänderlich ist und dem man sich fügen muss – und das gibt es im Buddhismus nicht. Das grundlegende Prinzip der Kausalität bedeutet, dass jeder für sein eigenes Leben verantwortlich ist. Eine bestimmte Handlung führt zu einem bestimmten Ergebnis. Immer. Wer Äpfel sät, erntet Äpfel, und wer Zitronen sät, erntet nichts anderes als Zitronen. Eine positive Handlung wird zu einem Resultat von positiver Natur führen – also zu Freude und Glück. Auf der anderen Seite wird eine schädliche Handlung unausweichlich ein geistig oder körperlich schmerzhaftes Resultat –also Leiden – bewirken. Wir erleben in unserer heutigen Welt die Resultate früherer Gedanken, Worte und Handlungen, und mit unseren jetzigen Handlungen von Körper, Rede und Geist bestimmen wir unsere Zukunft. Dieses Verständnis hilft, künftige negative Erlebnisse zu vermeiden und ermöglicht den bewussten Aufbau von positiven Eindrücken, die zu Glück führen.

Natürlich basiert dieses Verständnis von Ursache und Wirkung auf dem Prinzip der Wiedergeburt, dass für uns Westler auf den ersten Blick manchmal etwas schwer vorstellbar ist. Nicht zuletzt deswegen, weil wir uns normalerweise schlicht nicht an unsere vorherigen Leben erinnern können. Welche karmischen Eindrücke aus welchen Leben in Zusammenhang mit welchen anderen und in welcher Intensität in einer Lebenssituation jeweils wirksam sind, lässt sich – so heißt es – nur von den Buddhas genau beantworten.

Karma ist der buddhistischen Vorstellung entsprechend aber nicht mit Schicksal gleichzusetzen, sondern ist ein dynamisches Modell. Unser Leben ist etwa zur Hälfte als karmische Wirkung festgelegt, zur Hälfte ist es aber frei gestaltbar. Was wir erleben ist zu einem Teil direktes Karma und entspringt zu einem Teil unserem Umgang mit den damit einhergehenden Begleitumständen. Als allgemeine Regel kann auf jeden Fall gesagt werden: Möchte man wissen wie man im letzten Leben gehandelt hat blicke man auf sein jetziges Leben denn man erlebt gerade die Resultate früherer Handlungen. Möchte man wissen, wie man in Zukunft sein wird schaut man ebenfalls auf sein jetziges Leben, denn man setzt gerade die Ursachen für spätere Erlebnisse und Erfahrungen. Deshalb haben wir nicht gestern und auch nicht morgen, sondern immer nur hier und jetzt die volle Freiheit, zu tun, was zu dauerhaftem Glück und Freiheit führt.
Auch in unserem Alltag lassen sich bei bewusstem Hinschauen natürlich schnell Beispiele dafür finden, dass es aus dem Wald herausschallt, wie wir hineinrufen. Oder noch eine schöne Metapher: das wir die Kakteen oder Blumen gesät haben, in denen wir jetzt sitzen. Den Film, in dem wir die Hauptrolle spielen, suchen wir uns selbst aus und haben die Wahl, ob wir die positiven Szenen bevorzugen oder die sinnlosen, Zeit und Glück verschwendenden Dramen. Komödie oder Tragödie – unsere eigene Wahl. Wir sind nicht das hilflose Opfer, das mitspielen muss. Das sind doch ziemlich gute Nachrichten, oder? Wir sind der Regisseur in unserem eigenen Film, in unserem eigenen Leben. Denn Probleme haben nur die Macht und Energie, die Du ihnen gibst!

Wir haben unser Glück also selbst in der Hand. Das lässt sich im Kleinen schnell feststellen. Wenn wir gut gelaunt durch die Gegend laufen, begegnen uns doch ständig so viele nette Menschen, lächeln uns an und tun uns Gefallen, nicht wahr? Wenn wir selbst mit frustriertem Gesichtsausdruck herumlaufen, sehen auch die Reaktionen der anderen meist entsprechend weniger rosig aus. In genau diesem Moment zu bemerken, dass man das vielleicht ja tatsächlich selbst verursacht – das ist nicht so einfach. Meist ist man schon dabei, wütend oder traurig über das Verhalten der Anderen zu sein und ist dadurch nicht mehr in der Lage, die Situation wirklich souverän zu meistern. Man reagiert schnell unüberlegt und setzt damit wieder neue negative Eindrücke durch unreflektierte und grobe Worte, Taten oder auch nur durch seinen Gesichtsausdruck und seine Gedanken in die Welt. Die laden dann diese sowieso schon angespannte Situation noch mehr auf und so befindet man sich in einer Abwärtsspirale, in der man mit Sicherheit meist mehr Gesicht verliert als gewinnt.

Das ist einer der Hauptgründe, warum Buddhisten meditieren. Regelmäßige Meditation ermöglicht es, diese Situationen zu beherrschen. Man kann sie dann mit gesundem, schützendem Abstand betrachten. Im Buddhismus ermöglicht Meditieren das Ausweichen vor starken Gefühlen und anderen Störungen, die uns negativ handeln lassen. Die Meditationen haben das Ziel, den Geist zu beruhigen und an einer Stelle zu halten. Das bedeutet aber nicht wie viele glauben, dass man keine Gedanken haben darf. Man lernt nur, ihnen in der Meditation keine Beachtung zu schenken – dann werden sie irgendwann von selbst weniger und weniger. Man wünscht, Abstand und Raum zwischen dem, was erlebt oder sieht, und den Erlebnissen oder dem Gesehenen zu schaffen. Und wenn so die Wellen der Eindrücke im Geist zur Ruhe kommen, entsteht die befreiende Einsicht, dass das verletzliche »Ich« nicht wirklich existiert. Da ist bei genauer Betrachtung rein gar nichts, was dauerhaften Bestand hat – und damit auch nichts, was verletzt werden kann, egal, was einem passiert. Aber wir haben normalerweise nicht den Abstand zu unseren Erlebnissen und Gefühlen, um das erkennen zu können. Deswegen halten wir sie für echt und messen ihnen unglaublich viel Bedeutung und Kraft bei – obwohl sich die Welt und damit auch unsere Gefühle doch ununterbrochen verändert. Diese Probleme waren gestern noch nicht da, verändern sich heute ständig und haben sich sicherlich bald in der Zukunft wieder aufgelöst. Warum als jetzt Energie hinein geben und sie damit nur unnötig groß und mächtig machen?